Achtung, Panne! Intelligente Notrufsäulen warnen vor Gefahren

ANIKA Präsentation

Ein defektes Fahrzeug steht am Fahrbahnrand – eine alltägli- che Gefahrensituation auf Autobahnen. Nicht rechtzeitig erkannt, drohen Auffahrunfälle und Staus. In einer Fahrdemonstration zeigen Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt heute, wie Fahrer rechtzeitig vor derartigen Sicherheitsrisiken gewarnt werden könn- ten: Durch intelligente Notrufsäulen, die Daten mit vorbeifahrenden Fahrzeugen und einer Leitstelle austauschen.

Die Fahrdemonstration wird vom Förderprojekt ANIKA organisiert, das in den vergangenen Monaten geprüft hat, ob sich Notrufsäulen mit Systemen für die Fahrzeug-zu-Infrastruktur-Kommunikation (V2I) ausrüsten lassen. „Notrufsäulen an Bundesautobahnen haben mit der Einführung des Mobilte- lefons in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren. Sie sind aber immer noch unverzichtbar, um unabhängig von Mobilfunknetzen bei Unfällen oder Fahrzeugpannen schnell Hilfe anzufordern. ANIKA macht sich jetzt konkrete Gedanken darum, wie die Säulen technisch verändert werden kön- nen und damit wieder an Bedeutung gewinnen“, so Daniela Behrens, Staatssekretärin im Niedersäch- sischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, das das ANIKA-Projekt in Niedersachsen för- dert. Gemeinsam mit Klaus Klang, Staatssekretär im Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr Sachsen-Anhalt, nahm sie heute in einem der speziell ausgerüsteten Demonstrationsfahrzeuge Platz. Das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr fördert ANIKA Sachsen-Anhalt zusammen mit dem Ministerium für Wirtschaft und Wissenschaft sowie der Investitionsbank Sachsen-Anhalt.

Auf einem zehnminütigen Rundkurs an der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn erleben die Passagiere, wie Fahrzeuge, die mit Notrufsäulen und einer Leitstelle vernetzt sind, wichtige Informa- tionen und Warnungen zum aktuellen Verkehrsgeschehen erteilen. Beim Einbiegen in eine Kurve zeigt das Fahrzeugdisplay: Achtung, Panne! Mit eigenen Augen sieht der Fahrer den Liegenbleiber erst nach 50 weiteren Metern hinter einem Garagengebäude. „Das Fahrzeug hat seinen Defekt automa- tisch über ein spezielles WLAN an die Kommunikationsmodule an der Notrufsäule gemeldet“, erläu- tert Frank Brennecke, Leiter des ANIKA-Projektes in Niedersachsen. Noch bis Juni werden die Braun- schweiger Unternehmen OECON Products & Services GmbH, NavCert GmbH und NORDSYS GmbH die spezifischen ANIKA-Fragestellungen bearbeiten. Die Projektpartner von ANIKA Sachsen-Anhalt, die ifak system GmbH aus Magdeburg (Projektleitung), die Tonfunk Systementwicklung und Service

GmbH aus Falkenstein/Harz, das Galileo-Testfeld Sachsen-Anhalt und das Fraunhofer IFF aus Magde- burg, präsentieren heute bereits ihre Abschlussergebnisse.
Die Notrufsäule ist mit einer ANIKA-Leitstelle verbunden, in der das Ereignis „Pannen“ auf einer digi- talen Karte angezeigt wird. Die Warnung kann die Leitstelle dann über weitere Notrufsäulen an den auffahrenden Verkehr verbreiten und Fahrer frühzeitig auf diese und andere typische Gefahren wie Staus oder Baustellen aufmerksam machen. „Aufgerüstete Notrufsäulen könnten sehr sinnvoll für das intelligente Verkehrsmanagement genutzt werden“, erläutert Harry Evers von der Landesinitiative Mobilität Niedersachsen, die das ANIKA-Projekt initiiert hat. Parallel zum Verkehrsfunk kann die Leit- stelle auch Warnungen vor Falschfahrern über Notrufsäulen direkt an Fahrzeuge kommunizieren. Sie ist zudem in der Lage, aus den Fahrzeugdaten die aktuelle Verkehrsdichte und Durchschnittsge- schwindigkeit zu ermitteln.

Die Kommunikation von Fahrzeugen untereinander und mit der Infrastruktur ist einer der wegwei- senden Trends der Automobilindustrie. Fahrzeughersteller bereiten die serienmäßige Markeinführung der intelligenter Transportsysteme und -dienste (ITS) in neuen Modellgenerationen derzeit intensiv vor. Fahrzeuge aller Klassen sollen dann Daten z. B. zu ihrer Position, Geschwindigkeit und Fahrtrich- tung, sowie besondere Ereignisse wie einen Fahrzeugdefekt oder eine Notbremsung austauschen. Zum Schutz der Privatsphäre tauchen Fahrzeugdaten stets anonymisiert in den Kommunikationspro- tokollen auf. ITS Stationen in der Umgebung, etwa an Baustelleninfrastruktur, Schilderbrücken oder Lichtsignalanlagen, verbreiten Daten zum Beispiel zu Baustellen, der aktuell zulässigen Höchstge- schwindigkeit oder auch Schaltphasen von Ampeln. Dass die Kommunikationssysteme herstellerüber- greifend funktionieren, stellen bereits verabschiedete und weiter zu entwickelnde Standards sicher. ANIKA orientiert sich stringent am Stand der Technik im Feld der Fahrzeug-zu-Infrastruktur- Kommunikation, ist aber das erste Projekt, das Notrufsäulen als Träger dieser ITS-Stationen in Be- tracht zieht.

Im ANIKA-Projekt in Niedersachsen verantwortet die OECON Products & Services GmbH die Entwick- lung und Umsetzung der ANIKA-Leitstelle, die NavCert GmbH bearbeitet die Themen Standards, Test- kriterien und Validierung. Die NORDSYS GmbH ist für die C2X-Kommunikationstechnik sowie die Ent- wicklung der Funktionen im Fahrzeug und in der Notrufsäule zuständig.

2017-09-06T16:31:58+00:00

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